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Chronik

Eine Reihe von Tatsachen sprechen für die Annahme, dass St. Nikola in Niederaichbach der erste Mittelpunkt des lokalen Seelsorgewesens war: Zahlreiche Skelettfunde im unmittelbaren Kirchenbereich weisen auf einen Friedhof hin, wie ihn nur eigenständige Kirchengemeinden haben. Auch lesen wir im ältesten Pfarrverzeichnis der Diözese Regensburg von 1326, dass der Pfarrer von Aichbach die bedeutende Summe von 2 marc Silber dem Bischof zu zahlen hatte, weil der damalige Papst Geld für einen Kreuzzug gegen die Mohammedaner brauchte. Im Verzeichnis steht: Aichbach in decanatu Dingolfing vel Leuching.

Niederaichbach hatte damals vermutlich den Status einer ritterlichen Eigenkirche. In Niederviehbach (einem Nachbarort von Niederaichbach) begründete 1296 der Ritter Berengar von Leonsberg ein Eigenkloster, das Augustinerinnen aus Regensburg besiedelten. Solche Eigenkirchen und -klöster gehörten den adeligen Grundherren und unterstanden nicht dem Diözesanbischof.

1296 schied Niederviehbach aus dem Pfarrgroßverband Kirchberg aus. Niederaichbach hatte damals offenbar noch seinen Eigenstatus, den es allerdings verlor, als Reformen das Eigenkirchenwesen beseitigten. Mit der Selbstständigkeit ging wohl auch der Name Niederaichbach verloren. Nun ist nur mehr von der Filiale Reichersdorf die Rede. So kommen 1590 die Filialen Reichersdorf und Goldern von Kirchberg weg nach Niederviehbach. Diese Zuordnung scheint den Niederaichbachern wenig Freude bereitet zu haben. Gar manches Zeugnis kündet von Auseinandersetzungen zwischen Klosteroberinnen und unseren Rittern. Dienstleistungen und Abgaben brachten Streit, für Niederviehbach war Niederaichbach weit weg. Solche Querelen mögen für die tüchtigen Ritter aus der Königsfelderfamilie der Grund gewesen sein, sich ihrer alten Kirche St. Nikola im Ort mit großer Energie anzunehmen. 1678 brachen sie die alte, hölzerne Nikolakirche ab und bauten sie in Stein neu auf. Auch die Schlosskirche wurde im Zuge eines Umbaus erneuert und beide Kirchen 1682 konsekriert, also kirchlich geweiht.

Die inzwischen zu Reichsgrafen erhobenen Königsfelder trafen umfangreiche Vorbereitungen zur Gründung einer Wallfahrt. 1699 erwarb ein den Königsfeldern verwandter Geistlicher in Rom für Niederaichbach die kostbare Reliquie des Hl. Martialis. 1700 gründete man das Schlossbenifizium (ein mit einem Pfründe -also Landnutzung-  verbundenes Kirchenamt). Der Benifiziat ( Der Inhaber des Kirchenamtes) hätte die Wallfahrt betreuen können. Die neue Nikolakirche erhielt die Sebastianikapelle für die Reliquie, bei der Einsetzung 40 Geistliche anwesend waren. Von den 4 Patres aus Niederviehbach war keiner anwesend. Die Königsfelder statteten die Nikolakirche mit Sakralgegenständen von hoher Qualität aus, die die der Kirche in  Reichersdorf bei weitem übertrafen.

Aus Rom kamen 2 Ablassbullen des Papstes für St. Nikola. Doch der Zeitgeist der beginnenden Aufklärung und kriegerische Wirren der Erbfolgekriege, die auch Niederaichbach nicht verschonten, beendeten die Bemühungen, aus St. Nikola ein bedeutendes religiöses Zentrum innerhalb der Pfarrei zu machen.

Das Jahr der Säkularisation, 1803, bedeutete das Ende des Niederviehbacher Klosters. Für Reichersdorf war der aus dem Karglhof stammende Augustinerpater aus Niederviehbach jetzt Benefiziat. Sein dringend benötigtes Reitpferd wurde ihm bei der Klosterauflösung konfisziert. So ist es nur verständlich, dass der Pater unausgesetzt bei den kirchlichen und weltlichen Behörden mit Eingaben und Plänen vorstellig wurde, aus Reichersdorf eine selbständige Pfarrei zu machen, zunächst jedoch ohne Erfolg. Erst 1876 wurde Reichersdorf selbständige Expositur (abgegrenzter, selbständiger Seelsorgbezirk einer Pfarrei). Die Goldener leisteten sich in der Zwischenzeit den Abbruch einer wehrhaften, romanischen Kirchenanlage. Sie siegten nach langem Streit gegen weltliche und kirchliche Behörden und beendeten den Kirchenbau 1862. 1996 erfolgte die Konsekration (Kirchliche Einweihung).

Eine außergewöhnliche soziale Tat aus unserer Pfarrei darf hier nicht vergessen werden. 1891 stiftete ein Hutzenthaler das Vermögen für den Bau eines Altersheim in Reichersdorf. Mittellose Dienstboten sollten dort ihren Lebensabend verbringen. Die Nutzung der eigenen Landwirtschaft trug diese Einrichtung, die leider nur ein Menschenalter vorhielt.

Im Jahr 1920 erhielt die Expositur in Reichersdorf den Rang einer Pfarrei. Als in der Nachkriegszeit 1953 die Volksschule in Reichersdorf an das linke Isarufer in Niederaichbach verlegt wurde, rissen die Bemühungen um den Neubau eines Pfarrzentrums nicht ab. Jetzt, verschont vom Hochwasser der Isar durch den Bau des Sylvensteinspeichers, wurde die Auenlandschaft an der Isar voll siedlungsfähig. Neuer Kirchenstandort sollte nun dort sein, wo sich bereits Schule und Gemeindeverwaltung befanden.

Weihnachten 1961 wurde der erste Gottesdienst in der neuen Kirche St. Josef gefeiert. Auch einen neuen Namen gab sich die Pfarrei, Niederaichbach, ähnlich dem der Ritterkirche der Aichpeckhen vor fast 1000 Jahren.

Text: © Hans Stippel