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Goldgewinnung

Gold war eines der ersten Metalle, das neben Kupfer und Zinn, schon in vorchristlicher Zeit abgebaut, und metallurgisch verarbeitet werden konnte. Gold war Handelsware, Zahlungsmittel und, wegen seiner Seltenheit sehr begehrt. Die Isar, einer der in die Donau mündeten südbayerischen Voralpenflüsse, entspringt im Karwendelgebirge, und erreicht nach seinem Lauf über München die niederbayerische Regierungshauptstadt Landshut. Ca. 15 km östlich von Landshut, der ehemaligen Herzogstadt, nähert sich das Gewässer dem Gemeindegebiet Niederaichbach. Vor 2 Jahrhunderten war die Isar bei uns noch ein echter Wildfluss, der in den Sanden der Geschiebe Gold mit sich führte. Mathias Flurl gab uns eine erste, zusammenfassende Darstellung in seiner Gebirgsbeschreibung aus dem Jahre 1792, über die Goldgewinnung in Bayern.

Übersichtskarte

Übersichtskarte der Hauptwaschgebiete in unserer Gegend

 

Die Goldgewinnung aus den Flüssen war an vielen Plätzen, zu Flurls Zeiten bereits zum Erliegen gekommen. Auch ein Abbau in den Alpen war nicht mehr rentabel. Es gab aber weiterhin Versuche, das gelbe Material bergmännisch zu gewinnen, aber die Vorkommen waren zum größten Teil unergiebig oder erschöpft. Die Flussgoldwäscherei betrieb man bis ins 18. Jahrhundert, an den Flüssen Donau, Isar, Inn, Salzach, Alz und der Traun. Schon in vorchristlicher Zeit, bei Kelten und Römern, war die Gewinnung von Flussgold bekannt. Auch zu Zeiten Maximilian des I. Herzog von Bayern, gab es eine Förderung, durch die Erteilung von “Bergfreiheiten” für das Goldwaschen, im Jahre 1611.

In der neuen Bergordnung durch Kurfürst Karl Theodor im Jahre 1780 sollte nochmals zur Goldgewinnung angehalten werden, in dem keinerlei Gebühr entrichtet werden musste. Trotz dieser Bemühungen ging die Förderung immer mehr zurück. In den Jahren 1745 bis 1760 ergab die Förderung von Flussgold ganze 4 kg.

Besonders im ausgehenden Mittelalter und im 16. und 17. Jahrhundert erreichte die Gewinnung des Edelmetalls ihren Höhepunkt. Die Goldwäscher waren hauptsächlich Leute die in der Nähe von Strömungsgewässern lebten. Neben Bauern, Fischern, Jägern und Müllern, gab es auch regelrechte Goldwäscherfamilien. Diese vererbten das Handwerk, die Kunst der Goldgewinnung von Generation zu Generation.  Viele Wäscher hatten eigene Flussabschnitte, teilweise vom Landesherrn zugewiesen.

Fachlichen Untersuchungen zufolge, sollen die goldhaltigen Flusssande aus den Molasseschottern der Ebene stammen, und nicht aus den Abtragungen vereinzelter Goldlagerstätten in den Gebirgen. In den Sanden des Isarkieses beträgt die Korngröße der Goldplättchen “Flinserl” meist weniger als 0,1 mm. Es gibt aber auch größere Flinserl bis zu 2 mm. Durch eine wissenschaftliche Auswertung wissen wir heute, dass in einer Tonne Kies und Sand, etwa 1 – 6 Milligramm Gold stecken. Es würde im ungünstigsten Fall bedeuten, dass für ein Gramm Gold 1000 Tonnen Gesteinsmaterial gewaschen werden müsste. Hierbei handelt es sich um Durchschnittswerte, bei denen es sich nicht lohnen würde, auch nur eine Schaufel Flusssand zu bewegen. Die Leute von damals gingen nur an die Arbeit, wenn eine möglichst hohe Goldkonzentration vorhanden war. Unter dem Mikroskop zeigt sich die Zusammensetzung und Form der Goldflinserl.  Je länger das Gold im Flussgeschiebe dem Transport ausgesetzt ist, desto runder und glatter wird die Oberfläche des Materials, das bis zu 8 % Silbergehalt aufweist.

Durch die im Jahre 1477 ausgestellte Urkunde, aus der Regierungszeit Ludwig des Reichen, Herzog von Bayern-Landshut, sind wir über die Flussgoldwäscherei, in unserer engeren Heimat etwas informiert. In der oben erwähnten Urkunde des Landshuter Herzogs, wird Goldsuchern aus der Stadt Landshut und den Orten Süßbach, Loiching und Plattling die offizielle Bewilligung für das Goldwaschen in der Isar erteilt. Für den Streckenbereich der heutigen Gemeinde Niederaichbach, Niederviehbach und Loiching werden auch Namen von der herzoglichen Kanzlei genannt.

Es handelt sich um Ulrich Seitz von Süßbach, und Michl bzw. Jakob Reindl aus Loiching. Das gewonnene Edelmetall musste gegen Erhalt der damaligen Landeswährung an den Herzog abgeliefert werden.

Die im Gemeindebereich Niederaichbachs gelegene Ansiedlung Goldern, auf der Anhöhe rechts der Isar, wird in den Analen schon im Jahre 916 als “Golldaron” erwähnt. Neben diesem Ortsnamen der auf die damals ansässigen Goldwäscher hinweist, hatte diese ehemals selbständige Gemeinde, als Hüttenkofen-Goldern, ein sogenanntes “Redendes” Wappen. Die Heraldik des Wappens, zeigt unter anderem einen goldfarbenen quer gestreiften Fluss, gemeint ist hier die goldführende Isar unweit des Ortes.

Auf Grund der Unterlagen ist eindeutig zu erkennen, dass die Hauptwaschgebiete an der unteren Isar, zwischen Moosburg und Plattling lagen. Sehr ergiebig war wohl die Flussstrecke um Moosburg, und von Niederaichbach bis Loiching.

Als die wilde Isar noch nicht in Kanäle und in Stauseen floss, kam eine Besiedlung der Talauen nur auf erhöhten Flussbereichen in Frage. Die Isar verwandelte sich im jährlichen Jahreskreislauf oft mehrmals in einen See. Wie aus den ersten Vermessungskarten zu ersehen ist, bildete der Fluss Isar, bei uns einen Hauptarm mit mehreren Nebenrinnen, Tümpeln und zahlreichen großen und kleinen Inseln. Das schnell fließende Wasser, frei strömend, schob zahlreiche Sand- und Kiesbänke in die Talaue. Die oberhalb der Isarhangleiten lebenden Goldwäscher, entnahmen unten auf den Kiesbänken mittels einer Schaufel Proben, um den Goldflinzerlgehalt zu prüfen.

Bevorzugt waren die flussabwärts gerichteten Rundungen von Sandbänken, denn hier und an den Gleithängen lagerte sich das metallhaltige steinerne Schwemmgut alljährlich ab. Die Fläche dieser Bänke erreichte oft eine Größe von mehreren hundert Quadratmetern, bei einer Stärke bis zu einem halben Meter.

Mittels eines eingefassten Holzbrettes auf einem Gestell befestigt, bespannt mit einem Tuch oder Lammfell, stand dieses in leichte Schräglage gebracht im Flussbett. Über dem Fell diente ein feinmaschiges Gitter dazu, das gröbere Steinmaterial auszusondern. Alsdann schaufelten die Wäscher den metallführenden Sand unter reichlicher Zugabe von Wasser auf die Anlage, wobei sich durch Schwemmen und Rütteln das Gold festsetzte. War das Fell oder Tuch mit dem Metall benetzt, erfolgte die Auswaschung in einen Behälter. Im letzten Arbeitsgang erfolgte die Zugabe von Quecksilber, das zusammen mit dem unreinen Gold, in einer eisernen Pfanne in einem Verdampfungsprozess das reine Metall ergab.

Goldwaschen

Beim „Goldwaschen“

Das Kurfürstliche Münzamt in München prägte im Jahr 1756 die ersten Dukaten aus dem Flussgold der Isar. Auch einige Jahrtausende davor, ließen schon die Kelten, dann die Römer und im frühern Mittelalter die Herzöge Goldmünzen schlagen, deren Metall aus dem Tal der Isar kam. Die Kurfürstlichen Dukaten aus dem Jahre 1780 zeigen auf der Vorderseite das Bildnis des Bayerischen Herrschers, und auf der Rückseite einen Flussgott mit Quellfass, und an der Randung das Wort ISAR geprägt.

Flussgolddukaten

Flussgolddukaten (Isar) aus dem Jahre 1780. Geprägt im Auftrag des bayer. Kurfürsten Karl Theodor. Rückseite der Münze: Flussgott mit Quellfass und Münchner Frauenkirche, Bayerisches Wappen,  unten die Jahreszahl in röm. Zahlen.

Die Münzen weisen ein Gewicht von 3,49 Gramm auf. Einige dieser Stücke haben sich gut erhalten. Bei Münzauktionen werden für gut erhaltene Isardukaten Beträge zwischen 5.000 und 12.000 DM bezahlt. Im letzten Jahrzehnt des ausgehenden Jahrhunderts lieferten die Wäscher das letzte Flussgold an das bayerische Münzamt ab. Bayerns Flüsse wurden damals zunehmend reguliert. Es entstanden begradete, steingeböschte Rinnen und nachfolgend Stauseen mit Wasserkraftwerken.

An einem Flussabschnitt der Isar, bei der Stadt Moosburg, damals noch nicht stark reguliert, waren laut eines Zeitungsberichtes aus dem Jahre 1888 immer noch einige unentwegte Goldwäscher am Werk. Die dortige Schwemmanlage im Bett der Isar wurde jedoch von den Isarfischern zerstört, die diese Aktivitäten in ihrem Fischwasser wohl nicht gerne gesehen haben. Abermals neu errichtet, zerstörte ein großes Hochwasser die Anlage endgültig. In den Jahren vor und nach dem Zweiten Weltkrieg gab es noch einige Goldwaschversuche von Herrn Karl Utz, auch im Moosburger Bereich der Isar. Im dortigen Heimatmuseum befinden sich heue noch einige Glasröhrchen mit winzigen „Goldflinserl“, die der Goldwäscher an der Isar aus dem Sand des Flusses geschlemmt hat.

Text und Bilder:
Otmar Reiter
Quellen/Literatur:
Dr. G. Lehrberger-TU/München
Wiederentdeckte Lagerstätten des bayerischen Goldes 1996
Matthias Flurl
W.Grasser
Bayerische Münzen 1980
Dr. G. Spitzelberger
Herzogtum-Bayern / Landshut 1993
W. Braun, Moosburger Zeitung
Zeichnung Seite 2
J. Meierlohr / Technischer Leiter Isarkies GmbH & Co. KG Wörth /Isar
Kath. Pfarramt Niederaichbach