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Geschichte der Gemeinde

Das Gebiet um Niederaichbach gehörte zur eiszeitlichen Schotter- und Terrassenflur (vor ca. 15 Mio. Jahren). Eine Bodenlinse -während der vorgenannten Zeit entstanden- erregte internationales Aufsehen und lieferte den Paläontologen wichtige Daten. Das bewaldete Isarhochufer beiderseits der Einmündung des Aichbachs in die Isar und das anmoorige Vorland bildete eine ebenso reizvolle wie typische Landschaftseinheit des unteren Urstromtals der Isar. Diese landschaftliche Struktur stellte in prähistorischer Zeit eine Kultur- und Sprachgrenze dar.

Seit über 6000 Jahren lassen sich hier Siedlungsspuren nachweisen. Jungsteinzeit, Bronze- und beginnende Eisenzeit. Die Römer hatten ein Stück Fernstraße durch das Gemeindegebiet geführt, die einwandernden Bajuwaren bestatteten Krieger im 6. Jahrhundert am Weinberg. Burgställe und Dokumente aus der Zeit der fränkischen Oberherrschaft über die Bayern um die Jahrtausendwende beziehen sich auf das Niederaichbacher Gebiet.

Nab1480
Niederaichbach um 1480

1. Hochmittelalterlicher Rittersitz in Niederaichbach (Turmform)
2. Lage der Barbarakirche innerhalb des Schlosses
3. Lage der Nikolakirche vor 1500

Im Spannungsfeld von Herr und Knecht entwickelten sich in Niederaichbach erste Adelssitze, die uns frühe, allerdings historisch nicht ganz einwandfrei gesicherte, erste Dorfbesitzernamen überlieferten: die Aichpeckhen und Staudacher. In alten Urkunden heißt dieser Burgbesitz de Aichbeckh. Hiervon dürfte sich der heutige Ortsname Niederaichbach abgeleitet haben. Die Nachfolger Chunradis nannten sich Aichpeckhen die bis 1334 hier ansässig waren. Dieses Geschlecht starb dann aus.

Aus dem damaligen reinen Bauernstand entwickelte sich allmählich das Handwerk, das zunächst für die Bedürfnisse des Schlosses zu sorgen hatte und dann für die Dorfgemeinschaft.
Es gab eine Mühle, eine Bäckerei, eine Schmiede, eine Töpferei sowie eine Weberei.

Alle Nachfolger im Niederaichbacher Dorfregiment bis in die Neuzeit standen in herzoglichen, manchmal in kaiserlichen Diensten und erhielten das Dorf Niederaichbach als Pfründe für ihren Lebensunterhalt: die Hermstorfer und Königsfelder.

Weningstich
Michael Wening – Stich vom Schloss Niederaichbach entstanden ca. 1720

Den letzteren verdankt Niederaichbach seine guten Kirchenausstattungen und das Schloss, das in seiner heutigen Form aus zwei alten Wehrbauten im 17. Jahrhundert zusammengebaut wurde.

Seit 1870 ging hier in Niederaichbach eine Brücke über die Isar. Bekannt war allerdings Niederaichbach schon wesentlich früher durch die Anlegestelle der Flößer hier (Floßlände). Da St. Nikolaus von Myra der Schutzpatron der Schiffer und Flößer ist, wurde die Kirche in Niederaichbach St. Nikola genannt. Um 1700 n. Chr. ließ Graf Wilhelm von Königsfeld das Ganzkörperskelett des Hl. Martialis aus den Katakomben Roms nach Niederaichbach in die Kirche St. Nikola bringen.

„Anno 1772 den 25. August fiel eine beladene Closter-Zehent-Fuhr durch augenblicklich zusammen gefallne dritte Joch der Niederaichbacher brucken, sambt 3. Man und 4 Pferden in die Isar; auf anrueffen Maria Stifterin · und verlobung einer hl. Mess ist alles wunderbarlich erhalten · und gerettet worden · nach gott dem allmächtigen sey Maria Stifterin Lob, Ehre und Dank gesagt.“
Textübersetzung: Hans Stippel

Älteste Bilddarstellung
Älteste Bilddarstellung der Niederaichbacher Brücke – heute in der Pfarrkirche Niederviehbach –

Archäologische Funde aus der Reichersdorfer Kirchengrabung belegen Kirchenstandorte zurück bis in die hochromanische Zeit
Die mächtigen Grafen von Closen lösten die Königsfelder im 18. Jahrhundert ab, es folgten die Seyboldsdorfer, unter deren Herrschaft 1848 die Leibeigenschaft endete und die Niederaichbacher ihre ersten kommunalen Gehversuche machten. de Weerth, Mendelssohn-Bartholdy, Thurn und Taxis und jetzt die von Urach waren und sind die Schloss- und Hauptgrundbesitzer der Niederaichbacher Flur. Zahlreiche Flurnamen und ländliche, historische Bausubstanz zeugen von dem einst kleinen, aber autarken adeligen Hofmarksgebiet der Niederaichbacher.

1672 – 1675 wurde dass Schloss in Niederaichbach erweitert und umgebaut. So stellt sich das Schloss Niederaichbach im Großen und Ganzen heute noch dar. Nachdem die Bauern frei wurden, begann in Niederaichbach die Besiedelung der Au. 1925 ging das Schloss in den Besitz der Familie Thurn und Taxis über. Heutige Besitzer ist die Fürstin von Urach.

Nab um 1900
Aufnahme des Niederaichbacher Schlosses mit der Kirche St. Nikola
Aufnahme entstanden um 1900

Topographischer Atlas
Gegend um Niederaichbach
Topographischer Atlas vom Königreich Bayern 1:50 000 aus dem Jahre 1812