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Entstehungsgeschichte

In ganz Bayern und darüber hinaus findet man in jeder Ortschaft einen, in größeren Ortschaften sogar 2 und mehr Schützenvereine, -gesellschaften oder -gilden. Ihre Entstehung und ihren früheren Sinn und Zweck hat man im Rahmen einer Chronik im Schützenverein St. Hubertus Niederaichbach aus Sammlungen, aus Zeitschriften und dergl. für spätere Generationen niedergeschrieben. Die Schlacht bei Ampfing im Jahre 1322 wird als die letzte ohne Pulver betrachtet. Neben dem Ritterdienst und die Waffenpflicht der freien Bauern und Bürger trat das Lehensheer, in dem die dem Landesherrn Verpflichteten Arbeit und Waffendienst im Kriege zu leisten hatten. Bald setzten sich die Heere der bayerischen Herzöge aus besoldeten Berufssoldaten, Söldnern und Landsknechten zusammen. Ihre wertvollste Ergänzung aber fanden sie immer in der von den Herzögen der Bevölkerung auferlegten Landwehr. Im Kriegsfall ging immer wieder der Aufruf der Herzöge durchs Bayernland, dass jeder Ort zusätzlich Kämpfer stellen müsse. Im 16. Jahrhundert von den Fürsten stark gefördert, stellen sie sich bald in den Dienst öffentlicher Anliegen (Landesverteidigung, Kampf gegen Raubwild, Feuer und Wassernot) und zeigten schon seit dem Erstehen starke kirchliche Bindung (Begleitung von Prozessionen, kirchlichen Begräbnissen und Jahrtage).

Gegen Ende 1632 drangen die ersten schwedischen Abteilungen von München gegen das bayerische Gebirge vor. Sie plünderten Tegernsee und drohten in Tölz einzumarschieren. Da schlossen sich die Schützen und Jäger der verschiedenen Ortschaften zusammen und kamen sich gegenseitig zu Hilfe. Um diese Zeit beginnt darum auch die Überlieferung der meisten Verbände der Gebirgsschützen. Nach dem 30jährigen Krieg hatten die Schützen noch jahrelang ein zähes Ringen mit dem durch den Krieg hinterlassenen Gesindel, Vagabunden und Plünderern.

Neben den angeworbenen Söldnern und die durch die Herzöge aufgerufene Landwehr traten die Schützengilden auf. Diese trafen sich zur Übung und waren die Nachfolgeorganisationen der frühneuzeitlichen Landfahnen, wie die militärischen Aufgebote der Kurfürstenzeit hießen. Da früher eine Kasernierung aller Waffenträger unmöglich war, kam es zur Bildung der „Schützenkompagnien“. Dass eine solche Einrichtung auch an der Hofmark Niederaichbach existierte, beweist eine Einladung aus dem 18. Jahrhundert. Zu dieser Zeit wurden aus den „Schützenkompagnien“ die Schützenvereine.

Mit der Angleichung des bayerischen an das preußische Heer im Jahre 1869 wurde der Landwehr wie den Gebirgsschützen jeder militärische Charakter genommen. Während man in der Folgezeit in Frieden lebte, fehlte darum die früher getragene Idee der Landesverteidigung. Die Mitglieder wurden immer weniger. Dazu kam der zu erwartende Erlass über eine allgemeine Wehrpflicht, der den Gebirgsschützen den Boden unter den Füßen zu entziehen drohte. So lösten sich verschiedene Schützenkompagnien auf, während andere ihr Leben als kirchliche Bruderschaften oder in Verbindung mit Veteranenvereinen notdürftig fristeten.

Nach dem 19. Jahrhundert begannen aber plötzlich mit der wachsenden Pflege des Volkstums die Gebirgsschützen sich ihres besonderen Wertes nach dieser Richtung neu bewusst zu werden, sie wurden somit die stärksten Kräfte zur Erhaltung von echtem, alten Volkstum, von Sitten und Gebräuchen der Väter und von ererbter Heimat- und Vaterlandsliebe. Der Geist dieser bayerischen Gebirgsschützen lebte also fort. Die völlig veränderte Kriegsführung hat ihnen freilich längst den militärischen Zweck genommen, obwohl zu beachten ist, dass noch im 1. Weltkrieg die Tiroler Standschützenbataillons, verbunden mit ihren bayerischen Brüdern ihre Heimaterde mit einmaliger Tapferkeit verteidigten und größte Heldentaten in den Bergen leisteten.

Wenigstich

Stich von Michael Wening. Gezeigt wird der Schießplatz einer hofmarksherrlichen Schießstätte mit einteiligen Schießscheiben.

„Den Vogel abschießen“ war jedermann möglich. Es handelte sich dabei um einen tönernen Papagei, auf einer sehr langen Stange. Im Schnabel trug er einen goldenen Ring, der dem erfolgreichen Schützen gehörte. Ein Jahr lang war der Glückliche verwöhnter Schützenkönig, der jeweils im Oktober seinen Titel verteidigen mußte.